Stephan Griebel

Einsichten, Aussichten und anderes

Archive for Oktober 2009

Wer oder was ist eigentlich „inter“ bzw. „aktiv“?

Posted by sjgriebel - 27. Oktober 2009

Gleich wo, sowie man über Computer im Unterricht liest, wird man an dem Wort „interaktiv“ nicht vorbeikommen. Die Heilsversprechen erscheinen mitunter so großartig, dass man als unbedarfter Leser auf die Idee könnte, dass ohne den Computer Interaktivität gar nicht möglich sei; dass es in der Vor-Computerzeit Interaktivität also weder geben konnte geschweige denn gegeben hat; dass dank Interaktivität nun aber endlich alles besser wird.

Wenngleich manche Autoren diese Schlussfolgerungen vielleicht sogar selbst gerne glauben möchten, so werden sie wohl fast jeglicher Form von Unterricht schlicht nicht gerecht. Mit Ausnahme einer Vorlesung ist in wohl jedem Unterricht die Interaktion aller Beteiligten der Regelfall und nicht die Ausnahme. Unterricht ohne Interaktion kann ich mir weder in der Grundschule, noch in der Sek1 noch in der Sek2 vorstellen – dank der Lebendigkeit unserer Schülerinnen und Schüler und vor allem auch dank des demokratischen Menschenbildes unserer Lehrerinnen und Lehrer.

Will man unseren Lehrerinnen und Lehrern wirklich ernsthaft absprechen, ihr Unterricht sei nicht interaktiv? Sind es nicht gerade sie, die die ungestüme, wahllose und zufällige Interaktion der Lerngruppe in zielgerichtete Bahnen lenken? Und ist dieses Eingreifen nicht bereits wieder eine weitere Form der Interaktion?

Auch im computerfreien Unterricht gibt es vielfältige Sozialformen und Unterrichtsmethoden, die eine über das übliche Maß hinausreichende Interaktion der Schüler untereinander befördern: Partner- und Gruppenarbeit, Gruppenpuzzle, Projektunterricht, Lernen durch Lehren, u.v.a.m. Die genannten Beispiele mögen durch den Einsatz von Computern in ihrer Potenz verstärkt werden, vom Computer abhängig sind sie jedoch nicht.

Stellen sich in dieser Diskussion nicht zwangläufig die Fragen: Wer oder was ist eigentlich „inter“? Und wer oder was ist eigentlich„aktiv“? Die beteiligten Menschen sind offenbar sowohl das eine als auch das andere. Welche Form der Interaktion meint man also? Die Interaktion Mensch-Maschine? Oder die maschinenvermittelte Interaktion Mensch-Maschine-Mensch? Da es diese beiden Interaktionen in einem maschinenfreien Unterricht nicht geben kann, entfällt also zumindest dieser quantitative Aspekt.

Ernsthaft gemeint können demnach nur qualitative Aspekte sein. Sind diese Aspekte nun aber wirklich völlig neu, haben zuvor also nicht existiert? Oder sind sie eher von einer neuen, bislang nicht erreichten besonderen Güte. Gleich ob so oder so, es ist die Vorzüglichkeit dieser Aspekte, die den Computer zum vorzugweise einzusetzenden, also vorzuziehenden Medium machen. Das bloße Interagieren ist es nicht.

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Ist Idealismus in der Schule überhaupt noch sinnvoll?

Posted by sjgriebel - 24. Oktober 2009

In meinen Blogs Hab Mut, Profi zu sein (17.09.09) und Warum sich Lehrer zuvorderst selbst aus den Sumpf ziehen sollten (03.10.09) habe ich beschrieben, dass sich Lehrer professionalisieren müssen, um ernst genommen zu werden, und dass der Anstoß dazu in erster Linie von ihnen selbst kommen muss. Mit Kollegen aus Großbritannien und Schweden habe ich vor einigen Tagen genau zu dieser Frage gesprochen. Als gemeinsamen Nenner haben beide erklärt, dass die zunehmende Professionalisierung in ihren Ländern hauptsächlich von den jung einsteigenden Lehrern getrieben wird. Für diese stellt sich die Frage nach der Berufswahl anders, als sie sich für die, sagen wir mal im letzten Dienstdrittel stehenden Lehrer seinerzeit gestellt hat. Es geht weniger um die Berufung zum Lehramt, es geht um eine nüchterne Aufwand-Nutzen-Risiko-Rechnung.

Die heute Junglehrergeneration ist von ganz anderen Erfahrungen geprägt als es die Generationen vor ihnen waren. Prägend hinsichtlich der Arbeitswelt scheint unter anderem zu sein, dass Unternehmen heute weniger loyal zu ihren Mitarbeitern stehen, in Guten wie in schlechten Zeiten, so wie sie es in früheren Zeiten anscheinend getan haben. Mit anderen Worten: egal wie persönlich engagiert ich mich einbringe, ob ich je krank war oder nicht, das alles zählt wenig, wenn die Entlassungswelle durch’s Unternehmen läuft. Warum sollte ich also mehr Idealismus zeigen als nötig? Wenn der Shareholder seinen regelmäßigen Profit einfordert, dann bekommt er ihn, aber auch nicht einen Deut mehr. In einer simplen Aufwand-Nutzen-Risiko-Analyse kommt der Lehrerberuf nicht schlecht weg. Nach gängiger Meinung hat man als Lehrer nach einer gewissen Einarbeitungszeit im Großen und Ganzen einen erträglichen Job auch dank ausreichend viel Ferien und akzeptabler Bezahlung. Warum also nicht Lehrer werden?

Oder gehört zum Lehrerberuf doch ein gehöriges Maß an Idealismus? So sehr ich mich über jeden Lehrer und jede Lehrerin freue, die ihre Aufgabe als Berufung begreifen und nicht lediglich als Job, so wenig halte ich diesen Idealismus für zwingend erforderlich. Für mich ist es in erster Linie wichtig, dass unsere Lehrkräfte Freude an ihrer Arbeit haben, gleich aus welchen Motiven heraus. Nur wenn sie selbst Freude empfinden, kann guter Unterricht gelingen. Guter Unterricht in diesem Sinne ist einer, den unsere Kinder gerne besuchen und von dem sie etwas mitnehmen, fachlich und menschlich.

Im System Schule wird Idealismus zukünftig übrigens zunehmend weniger honoriert. Die bundesweite Einführung von Vergleichsarbeiten und Zentralabitur hat zur Folge, dass es in wachsendem Maße darauf ankommt, was hinten herauskommt; sprich: wie die anvertrauten Schüler, man selbst, seine Schule, sein Bundesland gegen einen von außen gesetzten Vergleichsmaßstab abschneiden. Der Output gewinnt also gegenüber dem Input an Bedeutung. Vorausgesetzt man findet Konsens hinsichtlich des gewünschten Outputs, muss ein solcher Ansatz gar nicht falsch sein. Stellt nicht genau dieser Output die Grundlage für das gesamte weitere Leben des jungen Menschen dar und wer will schon für eine mangelhafte Grudnlage eintreten?

In einem solchen Output-orientierten System wird Erfolg als Grad der Zielerfüllung verstanden und gemessen. Vermutlich liegt man richtig mit der Annahme, dass in einem solchen System der professionelle gegenüber dem berufenen Lehrer größere Erfolgsaussichten hat, da er seine Energie nicht auf das Hinterfragen der Motive hinter den Zielvorgaben aufwendet, sondern einfach liefert, was von ihm verlangt wird. Mit dem Wegfall der Mitsprache entfällt jedoch ein Korrektiv auf die weitere Entwicklung von Bildung. Entscheidungen über Bildung werden zunehmend von außerhalb der Schulen getroffen und von den Schulen lediglich exekutiert. Die Schule wir also verstärkt fremdbestimmt, was so nicht gewollt sein kann.

Fazit: Ein motivierter, professionell abgeklärter Lehrer ist für Schule ebenso wertvoll wie ein motivierter, idealistischer Lehrer. Beide haben ihre Bedeutung und ihren Stellenwert in dem und für das im System Schule. Eine einseitige Ausrichtung auf einen Typus und Bevorzugung desselben hätte fatale Folgen und muss daher vermieden werden. Ziel muss sein, ein Gleichgewicht zwischen den beiden genannten Lehrertypen herzustellen.

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Blogs von Mathelehrenden

Posted by sjgriebel - 17. Oktober 2009

Ich möchte gerne mit Eurer Hilfe eine Übersicht über die bloggenden Mathematiklehrerinnen und -lehrer, Mathedidaktikern und ähnliches zusammenstellen. Sicherlich kennt ihr ganz viele. Bitte ergänzt Eure Hinweise über die Kommentar-Option, schickt mir eine Mail (s-griebel(at)web.de) oder über Twitter eine Direct Message an @sjgriebel. Die gesammelten Ergebnisse werden hier laufend ergänzt.

Bislang gefunden (15.4.10)  und alphabetisch nach Vorname sortiert:

  • Andrea Schellmann, RMG Haßfurt, Blog, Twitter, Schulart/Schulstufe:  Gymnasium
  • Andreas Schuster, Fachleiter, Schweinfurt, Blog,  Twitter, Schulart/Schulstufe: Gymnasium
  • Christian Spannagel, PH Heidelberg, BlogTwitter, Schulart/Schulstufe:  Hochschule, Hauptschule
  • Claudia Kilian, Blog, Schulart/Schulstufe: SI und SII
  • Dieter Klaudt, Blog, Schulart/Schulstufe:  Grundschule (letzter Blog von 2007)
  • Esther Henschen, Blog, , Schulart/Schulstufe: Förderschule, Grundschule, Hauptschule
  • Ivo Schwalbe, Blog, Twitter
  • Jessica Peters, Blog, Twitter
  • Jörg Kantel, Blog
  • Jörg S., Heinrich-Hertz-Schule, Karlsruhe,  Twitter
  • Maria Eirich, RMG Haßfurt, Blog, Twitter, Schulart/Schulstufe:  Gymnasium
  • Markus Hagemann, Blog, Twitter, Schulart/Schulstufe:  SII
  • Miriam (Vogelwarte), Blog, Twitter,  Schulart/Schulstufe:  Grundschule
  • prabodh, Blog, Schulart/Schulstufe: gymnasiale Oberstufe, FOS
  • René Grothmann, Uni Eichstätt, Blog, Schulart/Schulstufe: Hochschule
  • Rolf Kröger, Blog, Twitter, Schulart/Schulstufe: Hochschule, Berufskolleg
  • Stephan Griebel, Texas Instruments, Blog, Twitter, Schulart/Schulstufe:  SI und SII
  • Susanne Schäfer, Blog, Schulart/Schulstufe:  Grundschule
  • Ulli Kortenkamp, PH Karlsruhe, Blog, Twitter, Schulart/Schulstufe: Hochschule

Bloggende Physiklehrende:

Bloggende Chemielehrende

Vielen Dank für die bereits eingegangenen Hinweise. Danke im Voraus für weitere Tipps, Anmerkungen, Wünsche  etc.

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Lautsprechen befördert Widersprechen

Posted by sjgriebel - 14. Oktober 2009

In der Diskussion über den Einsatz von Computern im Unterricht scheint es im Wesentlichen zwei unvereinbare Extrempositionen zu geben. Auf der einen Seite die totalen Befürworter, denen andererseits eine ebenso total ablehnende Front gegenübersteht. Während die einen ausschließlich die Chancen und Möglichkeiten hervorheben, malen die anderen Schreckensszenarien an die Wand. Je lauter die eine Seite ihre Heilsbotschaften verkündet, desto mehr Widerstand provoziert sie. Damit erreichen die Befürworter genau das Gegenteil von dem, was sie eigentlich beabsichtigen, statt Zustimmung ernten sie Ablehnung.

Da ich selbst von den Potentialen der Technologienutzung überzeugt bin, möchte ich daher insbesondere den Befürwortern einen Strategiewechsel empfehlen, nämlich neben dem Hervorheben der neuen Möglichkeiten eingestehen, dass nicht alles so rund läuft, wie es manche Pressemitteilung denken lässt.

In der Tat ist es ja so, dass über die breite Einführung von Computern im Unterricht nicht erst seit wenigen Jahren gesprochen wird. In meiner Schulzeit hatten wir Computerräume voller Commodore-Rechner, und zwischenzeitlich habe ich Lehrer kennengelernt, die mit ihren Schülern bereits mit Lochkarten programmiert haben. Dass wir heute immer noch über das Für und Wider streiten, muss also Gründe haben.

Der in meinen Augen wesentliche Grund ist, dass man sich mit jeder neu entwickelten Technologiegeneration zunächst an den technischen und finanziellen Fragen der Ausstattung abarbeitet um am Ende ernüchtert festzustellen, dass es wieder einmal an Unterrichtskonzepten, Fortbildung und anderen Hilfestellungen gemangelt hat. Dies geschieht im Kleinen ebenso wie im Großen. Vielleicht jüngster Fall: Vor wenigen Wochen musste man in Frankreich eingestehen, 45 Millionen Euro für nichts versenkt zu haben (siehe Beitrag in der ZEIT).  Es sei hier auch auf den Blog von  Alanna Shaikh: One Laptop Per Child – The dream is over hingewiesen.

Muss sich Geschichte wiederholen? Kann man denn nicht aus den alten Fehlern lernen? Doch, das kann man. Nur würde es verlangen, dass man nicht nur den Start eines Projektes mit großem Tamtam kommuniziert, sondern dass man Ende eines Projektes genauso deutlich über die aufgetretenen Schwierigkeiten spricht und Empfehlungen gibt, was man das nächste Mal anders machen wird. Ich halte es für dringend geboten, dass Tagungen zu Computer im Unterricht regelmäßig Workshops und Vorträge zu den Dingen anbieten, die nicht funktioniert haben. Dies ist für die Masse der Zuhörer zwar nicht aufregend, prickelnd und spannend, für den Vortragenden sicherlich nicht unbedingt angenehm, für diejenigen, die die Sache aber wirklich voranbringen wollen, aber ungeheuer lehrreich.

Der vorgeschlagene Weg ist hart und steinig, es ist Kärrnerarbeit und bestimmt kein Vergnügen. Aber nicht nur das die eigenen Freunde was lernen können, vor allem müssten die Skeptiker und Kritiker einsehen, dass man nicht nur seine eigenen Neigungen befriedigt, sondern es richtig und tatsächlich ernst meint. Es würde ihnen gar nichts anderes übrig bleiben, als dieses Bemühen anzuerkennen, wollen sie sich nicht selbst durch fortgesetzten Starrsinn disqualifizieren.

Mein Wunsch an alle Technologiefreunde daher: Sprecht weiter über die Chancen. Sprecht aber ebenso über die Schwierigkeiten, die noch zu lösen sind. Nehmt damit den Kritikern den Wind aus den Segeln und tut der Sache schließlich was Gutes.

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Ein Orientierungsprinzip für einen allgemeinbildenden Mathematikunterricht

Posted by sjgriebel - 12. Oktober 2009

Das Allgemeinbildungskonzept von Roland Fischer (O.Prof. an der Uni Klagenfurt) beinhaltet als zentrales Element die Kommunikationsfähigkeit eines Menschen mit Experten und der Allgemeinheit. Während in der Expertenausbildung eher das operative Wissen und Können im Vordergrund stehen, spielen in der Allgemeinbildung das Grund- und Reflexionswissen die wichtigsten Elemente dar. Einen Menschen mit guter Allgemeinbildung zeichnet demnach aus, dass er mit Experten verschiedenster Fachgebiete verständig kommunizieren und damit deren Aussagen sachgerecht beurteilen kann. Außerdem kann er sich selbst einer Allgemeinheit verständlich mitteilen. Mathematisches Modellieren und Interpretieren zusammen mit mathematischem Kommunizieren haben damit Vorrang vor dem Berechnen irgendwelcher Größen.

Eine mangelnde mathematische Allgemeinbildung zeigt sich dann z.B. folgendermaßen:

  • übertriebene Präzision: Prozentangaben werden grundsätzlich mit zwei Nachkommastellen angegeben, obwohl ganzzahlige Prozentwerte schon mehr als ausreichend wären.
  • Fehleinschätzung von Verhältnissen: Absolut gleiche Abweichungen stechen bei kleinen Mengen verhältnismäßig stärker heraus als bei großen Mengen, doch sind diese kleinen Mengen und damit Abweichungen davon selbst mitunter bedeutungslos, wenn die große Menge nur hinreichend groß genug ist. Große Prozentwerte finden mehr Beachtung gleich wie groß die Grundgesamtheit ist. Ausreißer verdecken den Blick auf das große Ganze.
  • Lügen mit Statistik: Die zahlreichen Beispiele sind hinlänglich bekannt, dabei geht es noch nicht einmal um die schwierigen Fälle in denen Wahrscheinlichkeiten oder relative Häufigkeiten gekoppelt werden. Bereits das richtige Lesen eines Graphen ist häufig schon eine nicht mehr zu meisternde Schwierigkeit.
  • … (ergänzen Sie hier Ihre eigenen Beobachtungen) …

Nun werden jedoch alle Wissenschaften zunehmend mathematischer, in dem die verwendeten Begriffe schärfer definiert und Ursache-Wirkung- Zusammenhänge genauer verstanden werden. Die Kommunikation mit und von diesen Experten muss demnach verstärkt eine mathematische Allgemeinbildung integrieren. Für den Mathematikunterricht unserer Schulen bedeutet dies, die oben genannten allgemeinbildenden Komponenten in den Vordergrund zu stellen und die operativen Anteile auf ein Minimum zu reduzieren.

Wie kann dies gelingen? Man wird nicht umhin kommen, einen Paradigmenwechsel an den Schulen herbeizuführen:

  • Reduktion der konkreten Inhalte auf einen wesentlichen Kern
  • Stärkung des exemplarischen Lernens
  • Konsequente Nutzung von Medien um operatives Handeln verringern zu können

Ich verbinde mit diesem Paradigmenwechsel die Hoffnung, zu einem Mathematikunterricht zu gelangen, der eine wahrhaft mathematische Allgemeinbildung im Fischerschen Sinne erlaubt; einem Unterricht also, der Menschen befähigt, mit Experten und Laien gleichermaßen über Fragestellungen in einem mathematisierten Kontext sachgerecht zu kommunizieren.

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Warum Lehrer sich zuvorderst selbst aus dem Sumpf ziehen sollten

Posted by sjgriebel - 3. Oktober 2009

Der einzige Mensch, dessen Verhalten ich kontrollieren kann, bin ich selbst. Andere Menschen kann ich beeinflussen, kontrollieren kann ich sie nicht. Wenn ich also eine veränderte Schule möchte und davon überzeugt bin, dass es notwendig ist jeden Tag ein bisschen besser zu werden  dann muss ich bei mir selbst anfangen.

Viele Regularien im System Schule sind dem Anschein nach entwickelt worden, um schwarze Schafe daran zu hindern, weiter Unsinn zu treiben. Je mehr man jedoch von außen reguliert, desto weniger funktionieren die immanenten  korrigierenden Kräfte, schlicht weil sie nicht ständig trainiert werden. Wo man an anderer Stelle das klärende Gespräch gesucht hätte, schiebt man nun irgendeine Bestimmung vor oder ruft nach einer solchen. Nur um nachher zu beklagen, die Geistern, die man selbst rief, nicht mehr loszuwerden.

Wenn man aber an seiner persönlichen Verbesserung arbeitet, dann reflektiert man sein eigenes Tun und hält mit sich selbst Zwiesprache. Möchte man, dass sich jeder seiner Kollegen ebenso verbessert, dann wird man die Zwiesprache auf die Kollegen ausdehnen und damit Einfluss auf ihr Verhalten nehmen.

Veränderung beginnt für mich daher in erster Linie bei mir selbst. Dies ist der Bereich, den ich kontrolliere. Die Entscheidung, etwas zu tun oder nicht zu tun, liegt einzig bei. Wenn ich nicht länger fremdbestimmt leben möchte, dann darf ich nicht länger die äußeren Umstände für mein Schicksal verantwortlich machen, sondern muss mich der Verantwortung vor mir selbst stellen. Damit dehne ich nach und nach den von mir selbst bestimmten Bereich aus.

Danach oder auch parallel dazu, aber eben nicht ausschließlich, wirke ich dann auf mein Umfeld ein. Ich versuche eine gemeinsame Vision zu entwickeln und anderen Mut zu machen, nicht länger resigniert den Kopf in den Sand zu stecken, sondern Veränderung aktiv herbeizuführen. Damit ergibt sich ein Art Domino-Effekt und meine Einflusssphäre vergrößert sich.

Damit lässt sich mein Wunsch an unsere Lehrkräfte wie folgt zusammenfassen:

  • auf seine eigenen Stärken vertrauend an seiner eigenen Veränderung arbeiten
  • darauf aufbauend auf sein Umfeld einwirken damit der Wunsch nach Veränderung weite Kreise zieht.

Literatur: Stephen R. Covey: The 7 Habits of Highly Effective People: Powerful Lessons in Personal Change

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