Stephan Griebel

Einsichten, Aussichten und anderes

Thesen zu Nachhilfe 2.0

Posted by sjgriebel - 28. Mai 2010

In der Diskussion um den Einsatz von Web 2.0 werden vor allem die Möglichkeiten der kollektiven Wissenskonstruktion betont. Trotz einer zunehmenden Verbreitung elektronischer Medien scheint der Bedarf an Nachhilfe ungebrochen, tatsächlich scheint die Nachfrage danach sogar noch zuzunehmen. Präsenznachhilfe stellt weiterhin die primäre Nachhilfeform dar. Dies führt mich zu einigen Thesen, die ich zur Diskussion stellen möchte:

These 1: Web 2.0 betont die prozessorientierten Kompetenzen zulasten der inhaltsorientierten. Die Lerninhalte werden damit nicht mehr ausreichend in einem zum Bestehen z.B. zentraler Prüfungen erforderlichen Maße vermittelt.

These 2: Nachhilfe wird von Einzelnen nachgefragt und nicht von Gruppen gemeinsam. Der Erfolg von Nachhilfe ermisst sich am Erfolg des Einzelnen, nicht am Erfolg der Lerngruppe. Das gemeinsame Erarbeiten von Wissen kann damit prinzipiell nicht die gleiche Bedeutung erlangen, wie sie es für die ursprüngliche Lerngruppe inne hat.

These 3: Web 2.0 ist derzeit noch zu wenig verbreitet, die pädagogischen Konzepte stecken faktisch noch in den Kinderschuhen und auch die verwendeten Technologien müssen sich noch weiter entwickeln. Dies wird sich in ein paar Jahren geändert haben. Aufgrund der dann tieferen, breiteren und vor allem stärker individualisierten Möglichkeiten des Kompetenzerwerbs wird Nachhilfe eines Tages gar nicht mehr nötig sein.

These 4: Die angebliche Notwendigkeit von Nachhilfe ist ein Zeichen schwerer struktureller Versäumnisse unseres Bildungssystems. Geeignete strukturelle Veränderungen würden die Notwendigkeit von Nachhilfe beseitigen. Diese Frage ist daher unabhängig von Web 2.0 zu beantworten.

These 5: Die Bildung unserer Kinder ruht schon immer auf drei Säulen und wird dies auch weiterhin tun: Unterricht in der Schule, unterstützende Maßnahmen im Elternhaus und Inanspruchnahme der Hilfe Dritter. Daran ändert auch Web 2.0 nichts.

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3 Antworten to “Thesen zu Nachhilfe 2.0”

  1. Ruben said

    Hallo,
    irgendwie widersprechen sich deine Thesen 3 und 4. Ich stimme dir zu, dass die Inanspruchnahme der Hilfe Dritter weiterhin ein wichtiges Element im Bildungsprozess sein wird. Nachhilfe entspricht ja der Hilfe Dritter und diese Hilfe kann in ganz unterschiedlichen Formen auftreten (z.B. kommerziell oder privat, gegen Gebühr oder kostenlos, durch physische Präsenz oder online). Daher wird Nachhilfe auch immer notwendig sein, – weil es immer Menschen (Schüler) geben wird, die Probleme haben werden den festgelegten Leistungsanforderungen gerecht zu werden. Die Leistungsanforderungen orientieren sich ja am Durchschnitt, d.h. es gibt immer Leute die darüber und darunter liegen werden. Bei build.UP in Münster (www.build-up.de) merken wir jedoch, dass nicht nur Schüler mit Schulproblemen Nachhilfe in Anspruch nehmen, sondern auch solche die gute bis sehr gute Noten haben und einfach noch weiter verbessern wollen. Auch diese Gruppe von Menschen wird es immer geben.

    • sjgriebel said

      Darf ich aus Deinen Erfahrungen bei build-up schliessen, dass in unserem Schulsystem eggenwärtig auch die leistungsstarken Schüler zu kurz kommen? Dass z.B. neben Matheolympiade, Bundeswettbewerb mathematik oder anderen ähnlichem eine unbefriedigte Nachfrage nach mehr existiert? Was ist dieses „Mehr“, dass gegenwärtig zu kurz kommt?

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