Stephan Griebel

Einsichten, Aussichten und anderes

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Motivation alleine genügt mir nicht

Posted by sjgriebel - 30. Juni 2010

Im Rückblick auf die Didacta und beim Durchblättern verschiedener unterrichtsbezogener Zeitschriften zum Thema Computer und Unterricht ist mit eine durchgängige Behauptung aufgefallen. Es ist fast gleichgültig, welches digitale Medium für den Unterricht angepriesen wird, sehr oft steht eine zentrale Botschaft im Mittelpunkt: Die xyz-Technologie steigert die Motivation der Schüler.

Bewertung gemäß der Lernwirksamkeit
Es ist eine Freude, begeisterte Schüler zu unterrichten. Kein Zweifel. Doch greift Motivation als zentrale Aussage zu kurz. Offenheit, Interessiertheit und Engagement – andere Umschreibungen für Motivation also – sind notwendige Voraussetzung für guten Lernerfolg. Jedoch müssen weitere Komponenten hinzutreten, um Lernen im Sinne einer dauerhaften Einbettung neuer Inhalte in vorhandene Wissensstrukturen zu bewirken. Motivation verstanden als Bereitschaft, sich neuen Inhalten zu öffnen, ist ein guter Start. Wichtiger jedoch ist, was am Ende herauskommt. Statt die verschiedenen Medien hinsichtlich ihrer Motivationspotentiale müssen wir sie gemäß ihrer spezifischen Lernwirksamkeit bewerten.

Das Bild des grundsätzlich unmotivierten Schülers
Welches Schülerbild haben wir eigentlich im Kopf, wenn wir Technologie mit Motivation in Verbindung bringen? Geht es um eine Motivationssteigerung? – Dann ist zumindest eine Grundmotivation vorhanden. Oder geht es vielmehr um eine Motivationsweckung? – Dann geht man davon aus, dass Schüler grundsätzlich unmotiviert seien. Letztlich ist dies nichts anderes als die bereits von Sokrates erhobene Klage über die Verderbtheit der heutigen Jugend. Selbstredend sind nicht alle Schüler gleichermaßen für alle schulischen Inhalte gleichermaßen zu begeistern. Damit unterscheiden sich Schüler aber in keinster Weise von Nicht-Schülern, sprich uns Erwachsenen, die wir uns ebenfalls nur schwer oder gar nicht zu Verhaltensweisen bewegen (= motivieren) lassen, die eigentlich gut für uns wären.

Motiviert sein = Wunsch erfolgreich zu sein
Das Bild des grundsätzlich unmotivierten Schülers ist demnach also falsch. Ich werbe daher für eine andere Ausgangsbasis. Unterricht muss davon ausgehen, dass Schüler grundsätzlich erst einmal motiviert sind. Motiviert sein bedeutet, einen inneren Antrieb zu spüren, Erfolg zu haben. Erfolg zu haben oder erfolgreich zu sein, bedeutet hier vor allem, im Einklang mit seinen Motiven zu handeln, und durch das Erreichen seiner Ziele, innere Befriedigung zu erfahren. Die Aufgabe der Lehrkraft besteht dann darin, die Motivation seiner Schüler auf die gewünschten Gegenstände zu richten, und De-Motivation zu vermeiden. Schafft es die beworbene Technologie, die Lehrkraft dabei zu unterstützen, an der oben genannten hochgradig individuellen Motivationslage des einzelnen Schülers anzuknüpfen, dann lässt sich wohl annehmen, dass diese Technologie auch besser lernwirksam sein wird als andere, die dies weniger gut erfüllen. Wenn eine Technologie diese Voraussetzung erfüllt, dann kommt sie meinen Vorstellungen nahe. Motivation verstanden als „mehr Spass an Unterricht“ alleine genügt mir nicht.

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