Stephan Griebel

Einsichten, Aussichten und anderes

Nachlese zur Initiative D21 Bildungsstudie: Digitale Medien in der Schule

Posted by sjgriebel - 1. März 2011

Laut der kürzlich durch die Initiative D21 veröffentlichten Bildungsstudie: Digitale Medien in der Schule haben die deutschen Schulen einen deutlichen Nachholbedarf im Bereich der digitalen Medien. In dieser Sonderstudie zum (N)Onliner Atlas 2011 durchgeführt von TNS Infratest und unterstützt durch Cornelsen und Texas Instruments wurden über 300 Lehrerinnen und Lehrer aus allen deutschen Bundesländern in einem persönlichen Interview nach ihren Einstellungen zum Einsatz digitaler Medien insbesondere im mathematisch-naturwissenschaftlichen Unterricht befragt. Die Ergebnisse sind in der Tat ernüchternd, zeigen jedoch auch Ansatzmöglichkeiten wie die weitere Entwicklung gelingen kann.

Lehrerinnen und Lehrer erwarten sich vor allem von den fachspezifisch optimierten Werkzeugen in der Hand jeder Schülerin und jedes Schülers einen positiven Einfluss auf den Lernerfolg. Den fachübergreifenden Werkzeugen wird dies wohl aufgrund der fehlenden geeigneten Konzepte weniger zugetraut, mit Ausnahme der fachunabhängigen Medien wie interaktive Whiteboards und Digitalprojektoren. Die Investitionsbereitschaft der Eltern wird von 50% der befragten Lehrkräfte zwischen 50 und 120 Euro im Jahr geschätzt. Digitale Verlagsangebote werden häufiger genutzt als lehrerspezifische soziale Medien. Im Bereich der Fortbildungen wird von allem etwas mehr, vor allem aber mehr an schulinternen Lehrerfortbildungen gewünscht.

Den Lehrkräften ist das bloße Messen von Kenngrößen wie „Anzahl der Schüler pro Computer“ wohl eher egal. Wichtig ist ihnen, die geringen verfügbaren finanziellen Mittel klug und verantwortungsbewusst einzusetzen. Für die weitere Entwicklung bedeutet dies, sein Augenmerk auf Medien zu richten, die nachweislich einen verbesserten Kompetenzerwerb im jeweilig unterrichteten Fach erwarten lassen. Der Begriff Nachweis geht hier über die eher anekdotische Aktionsforschung hinaus, sondern meint wissenschaftlich stichhaltige Längs- und Querschnittstudien. Dazu wären z.B. die medienspezifischen Aspekte der Großprojekte wie Sinus nochmals genauer zu betrachten oder auch die M3-Studie in Bayern oder CALiMERO in Niedersachsen.

Notwendig erscheint auch, auf eine zunehmende Verschränkung der digitalen Medien, ja der verschiedenen Medien und Unterrichtsmethoden überhaupt, hinzuwirken. Es kann zukünftig am wenigsten um ein Ausspielen der einen Technologie gegen eine andere gehen, auch ein loses nebeneinander muss Geschichte sein. Erfolgversprechend ist einzig der kluge Medienverbund, das Verknüpfen der Stärken zur Kompensation der jeweiligen Schwächen. Zu diesem Verbund gehören ausdrücklich die digitalen Medien ebenso wie die gedruckten, ‚moderne’ Unterrichtsformen geradeso wie ‚traditionelle’, medienintensive Phasen im Unterricht in gleicher Weise wie medienfreie.

Wenig überraschend ist der Wunsch nach mehr Lehrerfortbildung. Davon kann es offenbar gar nicht zu viel geben. Grundsätzlich scheinen alle Anbieter gefordert, doch wird von den innerschulischen Fortbildungen eine besondere Qualität erhofft. Nur diese sind wohl geeignet den lokalen schulischen Bedürfnissen individuell gerecht zu werden. Vorbei scheint zudem die Zeit, in der technisches Detailwissen isoliert weitergegeben werden konnte. Zukünftig wird es entscheidend sein, in Unterrichtskonzepten zu denken und seine Teilbeiträge in ein größeres Ganzes einzubetten.

Was wir also brauchen, ist ein vorurteilsfreies Aufeinanderzugehen und eine intensives Miteinander der an Bildung interessierten Kräfte. Diejenigen, denen dies besser gelingt als anderen, gehört die Zukunft.

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Eine Antwort to “Nachlese zur Initiative D21 Bildungsstudie: Digitale Medien in der Schule”

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