Stephan Griebel

Einsichten, Aussichten und anderes

Von Nichtschwimmern – oder: Wohin führt uns der Tablet Hype?

Posted by sjgriebel - 18. November 2011

Die DLRG stellt gemeinsam mit Emnid in einer Umfrage fest, dass die Anzahl der Nichtschwimmer unter den Kindern offenbar zunimmt. Dies hat mich verwundert, wo die allenthalben verbreiteten Spassbäder doch eigentlich viel mehr Familien ins Schwimmbad locken müßten, als es die früheren Sportbäder je konnten.  Vielleicht tun sie es ja auch, doch schwimmen, nein schwimmen tut man dort nicht. Man geht zwar gerne in die Spassbäder (= gestiegene Motivation) und bewegt sich mit großer Freude im Wasser (= hoher Grad an Aktivität) und das auch mit anderen (=sozial). Nur mit dem Schwimmen, ja, da ist das so eine Sache…

Früher gab es keine Spassbäder, sondern nur richtige Schwimmbäder. Die waren zwar langweilig, aber man schwamm. Was hätte man dort auch sonst machen sollen? Kaltes Wasser läßt sich schwimmend leichter aushalten. Und ausserdem waren die Becken so tief, dass alleine dies bereits zu Schwimmbewegungen anregte. Und so kam, was kommen musste, man lernte schwimmen.

Aktuell plagt mich die Frage, ob dies eine passende Analogie zum gegenwärtigen Tablet-Hype ist.  Man planscht sich hyperaktiv durch immer neue Apps. Man ist super motiviert, weil’s richtig Spass macht. Und, weil’s alle gemeinsam und zusammen machen, ist’s auch noch total sozial. Nur mit dem Lernen, ja, da ist das so eine Sache…

Genügt die eine App, wo doch die nächste noch viele coolere nur ein paar Klicks entfernt ist? So wie die Spassbäder immer einen neuen Kick bieten müssen, um bestehen zu können. Lernerfolg egal; Spass muss sein, sonst geht die Motivation in den Keller. Bei Nirvana hiess es „Entertain us“. Schule also als große Entertainment Show? Ist es das, worauf wir zusteuern? Wohin führt uns der Tablet-Hype?

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3 Antworten to “Von Nichtschwimmern – oder: Wohin führt uns der Tablet Hype?”

  1. Herr Rau said

    Man könnte ja argumentieren, dass Schwimmen heutzutage nicht mehr wichtig ist, weil es immer mehr Brücken und Boote gibt, die Flüsse schmutziger sind, die privaten Swimming-Pools in der Wirtschaftskrise auch immer weniger werden. Da findet ein Paradigmenwechsel statt. So wie der Amphibienvorfahr dereinst mit einem Quantensprung aus dem Wasser hüpfte, um das Land zu erobern, so erobert sich der Mensch im 21. Jahrhundert die Spaßbäder – Zeit für die aquarische Wende.

    • sjgriebel said

      Aquarische Wende = The Age of Aquarius? Interessante Neuinterpretation. 😉

      Um mal bei unseren Amphibienvorfahren zu bleiben (Bild gefällt mir): Da saßen also zwei am Ufer und hatten die Wahl, raus zu hüpfen oder im Wasser zu bleiben. Der eine erwartete einen Mangel an Tiefgang und blieb wo er war. Aus anthopozentrischer Sicht, der Mensch also als Krone der Schöpfung, kein Fortschritt. Aus neutraler Sicht ein alternativer, gleichberechtigter Lebensentwurf.

  2. Stephan said

    Du brauchst dir keine Sorgen machen. Bis Tablets in der Schule ankommen, sind sie völlig out. So wie halt viele Spaßbäder wieder schließen werden. Gleicher Grund: Kosten

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