Stephan Griebel

Einsichten, Aussichten und anderes

Archive for the ‘Bildung’ Category

Braucht es wirklich ein eigenes Schulfach „Medienkompetenz“?

Posted by sjgriebel - 17. August 2014

Dieser Tage habe ich wieder mal ein Papier gelesen, in dem die Einführung eines Schulfaches Medienkompetenz gefordert wurde. Unter anderem soll in diesem Fach vermittelt werden, dass man auf seine persönlichen Daten Acht geben soll (meine Formulierung, nicht die des Autors).

Einerseits erscheint mir dies vernünftig. Unsere Spezies war im Laufe der letzten paar hunderttausend Jahre nicht mit den Gefahren einer unüberlegten Preisgabe persönlicher Daten konfrontiert und damit nicht gefordert, entsprechende Rezeptoren oder Verhaltensmuster auszubilden. Und unsere Gesellschaft ist auch erst seit relativ kurzer Zeit mit dieser Frage befasst. Weshalb also nicht?

Andererseits stellt mir die Frage, weshalb nicht im gleichen Papier gefordert wird, dass sich Datensammler endlich an Recht und Gesetz halten, oder soweit dies noch nicht existiert, ein solches geschaffen und nachgehalten wird. Bloß weil ich mein Fahrrad nicht abschließe, räume ich anderen damit noch lange nicht das Recht ein, es nach eigenem Gutdünken oder sogar zu meinem Schaden zu nutzen. Klar muss ich mir eine Teilschuld  zurechnen lassen. Die eigentliche Schuld liegt immer noch bei dem, der sich unberechtigt an meinen Daten vergangen hat. Er hätte meine  Unachtsamkeit nicht ausnutzen müssen. Oder musste er?

Ich gehe zugunsten des Autors einfach mal davon aus, dass die angesprochene weitergehende Regulierung der Datennutzung in dem Papier keine Aufnahme gefunden hat, weil sich in überschaubaren Zeiträumen die rechtliche Situation ohnehin zugunsten der Nutzer geklärt haben wird. Nur wenn das so ist, braucht es dann wirklich noch ein eigenes Schulfach Medienkompetenz?

Advertisements

Posted in Bildung, Digitale Medien, Meinung | Verschlagwortet mit: , , , | 3 Comments »

Verbreitern digitale Medien die Kluft zwischen Jungs und Mädchen – zugunsten der Mädchen?

Posted by sjgriebel - 17. August 2014

Vielleicht liege ich mit meiner Frage ja völlig falsch. Dennoch:  Mein Eindruck ist, dass in der Diskussion um Digitale Medien in einem erheblichen Maße 1) auf prozessorientierte Kompetenzen (u.a. Kommunikation in einen sehr breiten Sinne) fokussiert wird, die sich 2) mit sozialen Medien besonders gut abbilden lassen.

Soziale Medien sind, auch wenn man Videos, Grafiken oder sonst was einbetten kann, in erster Linie textbasiert. Um sinnvoll mitzutun, muss man sich also schriftlich ausdrücken können. Machen wir es damit Lernenden, die mit schriftlicher Kommunikation auf Kriegsfuß stehen, nicht besonders schwer? Etwas platt ausgedrückt: Bestimmt die Deutsch-Note zukünftig dann auch die Mathe-Note? Oder umgekehrt: Wer gute Noten in Deutsch hat, hat’s auch in Mathe leichter?

Provozierend zugespitzt (angelehnt an die Ergebnisse der DESI Studie) : Geraten damit die (einsilbigen) Jungs, hinter den (sprachbegabten) Mädchen noch weiter in Rückstand?

Verbreitern also digitale Medien die Kluft zwischen Jungs und Mädchen – zugunsten der Mädchen?

Posted in Bildung | Verschlagwortet mit: , , , , , | 2 Comments »

vocational school: Lehrersein ist eine Berufung

Posted by sjgriebel - 21. Juli 2014

Vielleicht geht es nur mir so, doch schwingt in meinen Ohren im Englischsprachigen Begriff „vocational school“ viel mehr der Geist der Berufung (lateinisch: vocatio) mit als beim deutschen Analogon der „Berufsschule“. Stehe ich damit alleine oder empfinden andere ebenso?

Ich bin der festen Überzeugung, dass alle Lehrerinnen und Lehrer – von nur ganz, ganz wenigen Ausnahmen abgesehen – diesen, ihren Beruf aus Idealismus heraus ergriffen haben. Leider wird dieser Idealismus allzuoft in unserem Schulsystem im Laufe der Jahre verschüttet. Wäre es nicht schön, wenn alle Lehrerinnen und Lehrer sich wieder an den Moment ihrer Berufung erinnern würden? Als sie damals entschieden haben, diesen Lebensweg einzuschlagen? Und wenn sie sich jeden Morgen daran erinnern würden, um tagsüber in der Schule vor der Klasse daran anzuknüpfen? Ich für meinen Teil wünsche es ihnen von ganzen Herzen.

Posted in Bildung, Meinung, Persönliches | Verschlagwortet mit: , , , | Leave a Comment »

Drei Schwächen im deutschen Bildungssystem

Posted by sjgriebel - 21. Juli 2014

Meine berufliche Tätigkeit ermöglicht es mir, Einblick in die Bildungssysteme vieler anderer Länder zu bekommen. Dazu zählen die vergleichsweise wohlhabenden Länder West-, Zentral- und Nordeuropas, unsere süd- und osteuropäischen Nachbarländer aber auch mehrere Länder des Nahen Ostens. Im Vergleich mit vielen dieser Länder muss bei uns vieles ziemlich gut laufen, sonst ginge es uns nicht so gut und wir würden nicht so beneidet. Andererseits könnten wir meiner Meinung nach noch viel besser sein, wenn wir folgende drei grundlegende Schwächen unseres Systems angehen würden. Diese sind in meinen Augen:

1) Dürftige finanzielle Ausstattung

2) Ständiges Herumbasteln an den äußeren Strukturen

3) Selbstverständnis der Lehrerinnen und Lehrer und Wertschätzung des Lehrberufes in der Öffentlichkeit

 

@1)  Dürftige finanzielle Ausstattung:

Laut Eurostat lagen die Bildungsausgaben in Deutschland 2011 bei 4.98% des BIP, der EU Durchschnitt bei 5.25%. Das Geld nicht alles ist, sieht man an Schweden. Die Bildungsausgaben sind mit 6.82% fast zwei Prozentpunkte höher als bei uns, gleichwohl ist man dort mit seinem System gar nicht zufrieden. Andererseits halte ich die Diskussion über unsanierte Schultoiletten für beschämend, die Begründungen für die Schulschließungen in ländlichen Gebieten für demütigend und den jährlich wiederkehrenden Kampf um Lehrerstellen für haarsträubend.

@2) Ständiges Herumbasteln an den äußeren Strukturen:

In keinem anderen mir bekannten Land wird so heftig über äußere Schulstrukturen diskutiert wie in Deutschland. Ständig werden neue Schulformen erfunden, in der Hoffnung und Erwartung, dass sich dann schon alles zum Besseren wenden wird. Und wenn nicht, auch egal, dann erfinden wir halt was Neues.

Nehmen wir zum Beispiel die Schulformen der Sekundarstufe 1: Sind die Unterschiede zwischen Hauptschule, Realschule, Regionalschule, Regelschule, Sekundarschule, Mittelschule, Oberschule, Realschule plus, Erweiterte Realschule, Gesamtschule und Gymnasium in der Sek1 wirklich so groß, dass man dafür 11 Schulformen benötigt? Dabei sind die verschiedenen Zweige oder sonstiges noch gar nicht berücksichtigt! Ich kann es mir beim besten Willen nicht vorstellen. Was hier an Zeit, Geld und Energie verbrannt wird? Wo könnten wir stehen, wenn wir uns nur endlich mal auf ein Modell einigen könnten.

@3) Selbstverständnis der Lehrerinnen und Lehrer und Wertschätzung des Lehrberufes in der Öffentlichkeit:

In noch keinem anderen Land ist mir ein Spruch entgegengeschlagen wie „Ich bin ja nur Lehrer.“ Woher kommt dieses Sich-klein-machen nur her? Laut Allensbach Studie von 2013  ist Lehrer einer der angesehensten Berufe in Deutschland. Kein Arzt oder Handwerker stellt sein Licht derart unter den Scheffel: „Asche auf mein Haupt. Ich bin ja nur xyz.“ Der bescheidene Auftritt ehrt unsere Lehrerinnen und Lehrer, doch während andere lediglich ihren Jobs nachgehen, haben Lehrerinnen und Lehrer die Möglichkeit, ihren Beruf (Berufung!) zu leben. Tut dies und strahlt dies auch aus.

Posted in Bildung, Meinung | Verschlagwortet mit: , , , | Leave a Comment »

Digitale Medien an Schule – Das Gesamtkonzept multiplikativ denken!

Posted by sjgriebel - 15. April 2014

Beruflicherseits beobachte ich immer wieder mit Kopfschütteln, wie vorhersehbar diverse one-to-one Projekte in Schulen scheitern. Man startet hochmotiviert, versucht sich durch die Schwierigkeiten zu beissen und muss am Ende doch entnervt die Segel streichen. Es macht mich traurig zu sehen, dass immer noch so oft viel Zeit und Energie, schlicht Lebenskraft sinnlos vergeudet wird. Interessanterweise scheinen Großprojekte noch häufiger betroffen als Schulen, die sich alleine und gemeinsam mit anderen auf den Weg machen. Häufigster Grund für das Scheitern ist wohl, dass die Projekte nicht komplett durchdacht sind, und schon gar nicht durchfinanziert. Zumeist reicht das Geld für schmucke Endgeräte, ein paar interaktive Tafeln und ein klein bisschen hier und da, doch Software und Content sollen sich die Lehrkräfte bitte selbst zusammengooglen, und die Erste Schritte Fortbildung zur Einführung muss auch reichen. Klar, dass solche Projekte scheitern müssen.

Der grundlegende Fehler – im kleinen, und erst recht im großen – ist wohl, dass die Komponenten des Konzeptes additiv gedacht werden:

Erfolgreiches Gesamtkonzept = Infrastruktur + Endgeräte + Software + Fortbildung + Content + x

Wenn eine Komponente ausfällt, also z.B. Fortbildung gleich Null, so kann man nach dieser Vorstellung immer noch erfolgreich sein. Schliesslich gibt es genügend andere Summanden, die eine positiven Beitrag leisten. Nach der Vorstellung läßt sich der Ausfall eines Teilbereiches dadurch auffangen, dass man einer anderen (oder mehrere) moderat vergrößert.

In meinen Augen richtig wäre, die Komponenten multiplikativ zu betrachten. Leider geschieht genau dies viel zu oft nicht.

Erfolgreiches Gesamtkonzept = Infrastruktur * Endgeräte * Software * Fortbildung * Content * x

Der Unterschied zum ersten Ansatz? Ganz einfach: Fällt auch nur eine einzige Komponente aus, dann war’s das mit dem Erfolg. Mathematisch gesprochen: Ein Produkt ist Null, wenn einer der Faktoren Null ist. Interessanterweise ist das Produkt auch dann fast Null, wenn bereits einer der Faktoren fast Null ist. Denn zum Ausgleich müßten die anderen Faktoren (mindestens einer) überproportional groß werden. Was ziemlich offensichtlich keinen Sinn macht: fünfmal mehr Infrastruktur gleicht kaum ein fünftel Content aus. Stichwort: ‚Antiproportionale Zuordnung‚. Oder für die Oberstufler: Limes von 1/x für x gegen Null.

Im Falle der digitalen Endgeräte ist es klar: Keine digitalen Medien im Schülerhand, kein one-to-one. Klar ist auch, dass es ohne eine gewisse Infrastruktur nicht geht. Ohne vernünftige Software läßt sich nicht unterrichten. Ohne ausreichende Fortbildung und ohne Content aber auch nicht. Wenn man sich die multiplikative Struktur der ‚Konzeptgleichung‘ erst mal richtig bewußt gemacht hat, ist völlig einleuchtend, dass keine Komponente verzichtbar ist. Alle Komponenten sind gleichermaßen notwendig. Keine einzige ist für sich alleine hinreichend.

Ach übrigens, ich verstehe die oben genannten Kompontenen in einem sehr breiten Sinne. Infrastruktur umfasst nicht nur Whiteboards, Server und Breitband, sondern auch schlicht ausreichend Steckdosen und ganz essentiell auch Service. Software bedeutet für mich mehr als einen Browser und ein paar zusammengeklickte Apps für lau. Fortbildung hört nicht bei der (Bedien-)Einführung auf, sondern begleitend jeden bis er’s oder sie’s didaktisch und methodisch in seinem/ihrem Fach drauf hat. Und Content wird auch nicht einfach wild zusammenkopiert, sondern da steht ein fundierter konzeptioneller Rahmen dahinter.

Posted in Bildung, Meinung | Verschlagwortet mit: , , , , | Leave a Comment »

Mathe ist überall (58)

Posted by sjgriebel - 6. April 2014

Mathe-in-der-Schule-Cartoon im Kontext antiautoritärer Erziehung.

Nic Ebert – Die genaue Urzeit, gefunden in: Forum Schule, 1/2014

Mathe in der Schule Cartoon

Mathe in der Schule Cartoon

 

 

 

 

Posted in Bildung, Mathe ist überall, Mathematik, Unterhaltung, Zeitungsschnipsel | Verschlagwortet mit: , , , , | Leave a Comment »

Didacta 2014: There ain’t no such thing as a free lunch.

Posted by sjgriebel - 29. März 2014

Zitat aus Johan Schloemann: Ausgenutzte Forscher, in Feuilleton der Süddeutschen Zeitung vom Freitag, 28.3.2014.

… Im Internet herrscht ja angeblich eine „Gratiskultur“. In Wahrheit aber ist nichts umsonst. Wenn irgendetwas, was irgendetwas wert ist, wie umsonst aussieht – Dienste, Informationen, Ideen, Informationen, Unterhaltung, Texte -, so hat doch irgendjemand dafür bezahlt: mit Lebens- und Arbeitszeit; mit Geld; mit der Preisgabe persönlicher Daten, die wiederum Geld wert sind; oder mit der Bereitschaft, sich Werbebotschaften auszusetzen, die auf  Kaufentscheidungen abzielen.

Warum ich dies hier zitiere? Weil man es nicht oft genug sagen kann: das ‚Open‘ in Open Education Resources (OER) implizert ein anderes ‚frei‘, als das oft so (miss)verstandene kostenlos ‚frei‘.  Mehr im Sinne von Richard Stallmann:  „‚free‘ as in ‚free speech,‘ not as in ‚free beer'“.

Auf der Didacta 2014 durfte ich wieder einmal Zeuge einer Diskussion werden, wo unter anderem, vielleicht sogar genau dieses Missverständnis dem Fortgang der Diskussion im Wege stand. Bemerkenswert hielt ich vor allem die Aussage eines Diskutanten, dass alle Apps, die er für sein Thema gefunden hat, entweder unbrauchbar wären oder etwas kosten würden. Anscheinend – so mein Verständnis der Ausführungen – solle man einfach ihm (Steuer)Geld geben, und er würde was echt Gutes machen…

Schon interessant, oder? Kostenlos = unbrauchbar. Kostenpflichtig = auch unbrauchbar. Kosten auf andere abwälzen = super Idee. Es tut mir leid, aber auch wenn man’s nicht gerne hören will: There ain’t no such thing as a free lunch.

Posted in Bildung, Meinung | Verschlagwortet mit: , , , | Leave a Comment »

Didacta 2014: Frei nach Adam Riese

Posted by sjgriebel - 29. März 2014

Auf der Didacta 2014 lagen an einem Stand auf dem Gang in Nähe der Halle 1 Postkarten mit  schulbezogenen Sprüchen zum Mitnehmen aus. Bei der Aussage „Frei nach Adam Riese“ habe ich gestutzt. Frei nach Adam Riese – bedeutet dies, dass wir vor Adam Ries(e) unfrei waren? In dem Sinne, dass Adam Ries mitgeholfen hat, das Rechnen-Können breiteren Bevölkerungsschichten zugänglich zu machen (Rechenbücher in deutscher statt lateinischer Sprache, praktische arabische Zahlen statt unhandlicher römischer, riesige Verbreitung seiner Werke), hat er uns tatsächlich unabhängig und damit frei gemacht von den damaligen gelehrten Rechenmeistern. Ein wichtiger Beitrag zur Demokratisierung von Bildung. Frei dank Adam Riese – ein wunderbarer Gedanke. Danke, Adam Riese.

Fundstück Didacta: Frei nach Adam Riese

Fundstück Didacta: Frei nach Adam Riese

Posted in Bildung, Fundstück, Mathematik | Verschlagwortet mit: , , , , | Leave a Comment »

Cyborgs – Sind wir bereits oder werden wir erst noch?

Posted by sjgriebel - 13. März 2012

Sind wir bereits Cyborgs? Oder werden wir es erst noch?

Gewinnerfoto Posterwettbewerb im Zuse-Jahr 2010
Amber Case: We are all cyborgs now, on www.ted.com Svenja Beninghaus: Gewinnerfoto Posterwettbewerb im Zuse-Jahr 2010, aus Log-In Nr.169/170

Posted in Bildung, Fotoblog, Meinung, Web-Schnipsel | Verschlagwortet mit: , , , | Leave a Comment »

Burnout – Sind Mathematiker mehr betroffen als andere?

Posted by sjgriebel - 15. Januar 2012

Im Schwamm drüber!-Blog Übergangsprognosen wird als Quelle ein Beitrag des Bayerischen Staatsanzeiger genannt. Gezeigt wird dort eine Lehrerin, die sich entnervt an die Tafel lehnt: vollgeschrieben mit …? – mit mathematischen Berechnungen natürlich. In der ganzen Burnout Diskussion bin ich noch nicht darauf gestoßen, dass die Mathematiklehrkräfte besonders betroffen seien. Gibt es dazu Erhebungen? Sind also bestimmte Schularten oder Fächerkombinationen mehr betroffen als andere?

Die gleiche Frage stellt sich bei den Sitzenbleibern. Auch hier drängt sich der Eindruck aus, dass im Zweifelsfall ein Bild mit mathematischen Kontext die Negativmeldung am besten unterstreicht. Sind an irgendeiner Stelle Korrelationen bezüglich Unterrichtsfach und Wahrscheinlichkeit des Sitzenbleibens erfasst worden?

Posted in Bildung, Meinung | Verschlagwortet mit: , , , , | Leave a Comment »